16. März 2021

Fit aus der Pandemie


Einige der größten Probleme der Corona-Pandemie sind die negativen Folgen für unsere Gesundheit und Fitness. Bereits davor wurde von vielen Menschen die Empfehlungen für körperliche Aktivität (150 min/ Woche mäßig intensiver aerober Aktivität) kaum eingehalten [16].

Dank der Auflagen und den Schließungen der Sportstätten, wie z.B. Fitnessstudios, war es noch nie einfacher inaktiv zu sein. Jetzt mehr als zuvor unterschreiten viele Menschen, egal welchen Alters, die Empfehlungen für eine gesunde körperliche Aktivität und verbringen gleichzeitig noch mehr Zeit im Sitzen [2].

Zusätzlich verschlechtert sich nicht selten unser Essverhalten. Besonders stressbedingtes/emotionales Essen von Lebensmitteln, wie Schokolade, salzigen Snacks und Softdrinks hat während der Lockdowns zugenommen [11].

In diesem Beitrag möchte ich auf die Folgen der Corona-Maßnahme für unsere körperliche Aktivität und unser Ernährungsverhalten eingehen und praktische Tipps geben, wie sich beides einfach verbessern lässt.

So kommt ihr fit aus der Pandemie!


Warum Bewegung gut für unsere Gesundheit ist könnt ihr hier noch einmal nachlesen: https://eveadam.fitness/2020/04/27/sport-und-gesundheit/


Kurzinfos:

  • Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie führen zu mehr Zeit in den eigenen vier Wänden.
  • In vielen Fällen verringert sich das Aktivitätsverhalten.Ungesündere Ernährungsgewohnheiten nehmen zu.
  • Mittel- bis Langfristig kann dies zum Abbau unserer Muskulatur sowie zur Zunahme von Körperfett führen.
  • Diese Änderungen in unserer Körperzusammensetzung haben negative gesundheitliche Folgen (z.B. Diabetes, Osteoporose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und ein gesteigerte Risiko für schwere Covid-19 Verläufe).
  • Trotz Lockdown sollte auf ausreichend Alltagsbewegung und regelmäßigen Sport geachtet werden (z. B. Online-Kurs Angebote, Joggen etc.)
  • Sobald möglich: Wiederaufnahme des gewohnten Sports.
  • Eine ausgewogene Ernährungsweise sollte beibehalten werden.
  • Sowohl für den Sport als auch für die Ernährung kann es empfehlenswert sein, sich professionelle Unterstützung (Trainer, Ernährungsberater etc.) zu suchen.
  • Alle Tipps sollten auch nach Beendigung der Corona-Maßnahmen durchgeführt werden.

Wie bereits gesagt führt die Corona-Pandemie in vielen Fällen zu einem reduzierten Aktivitätsniveau. Für unsere Muskulatur bedeutet dies, dass sie weniger gebraucht und deshalb vermehrt aktive Körpermasse abgebaut wird. Je höher der Abbau, umso stärker fallen die gesundheitlichen Folgen aus.

Der Stoffwechsel wird zunehmendes unökonomisch und der Bewegungsapparat wird instabiler.

Mit dem Bewegungsmangel gehen oft Änderungen des Ernährungsverhaltens einher. Vermehrt wird zu verarbeiteten Lebensmitteln gegriffen. Leider weisen solche Lebensmittel meist eine verminderte Verfügbarkeit von Vitaminen und Mineralstoffen auf. Zusätzlich ist der Proteingehalt oft gering. Eine hohe Proteinzufuhr könnte sich dabei positiv auf unseren Muskelerhalt auswirken [9].

Gleichzeitig erhöht sich unser Körperfettanteil. So legten während des ersten Lockdowns 30% der befragten Personen im Durchschnitt 3 kg an Körpergewicht zu. Hierbei kommt es auf die bisherigen individuellen Tendenzen an. Neigten Personen vorher bereits zu Übergewicht, hat sich dies während des Lockdowns deutlich erhöht [12].

Je älter wir sind, umso länger brauchen wir, um nach dem Lockdown wieder auf den alten Stand zu kommen, wenn wir nicht aktiv geblieben sind.

Aber genug mit dem Aufzählen von negativen Fakten. Was ihr tun könnt, um euer Aktivitätsverhalten wieder zu erhöhen und wie ihr eure

Ernährungsgewohnheiten verbessern könnt erfahrt ihr jetzt. Hierbei ist direkt anzumerken, dass Stress schlecht für unser Bewegungsverhalten und unseren Stoffwechsel ist. Also Kopf hoch und dass Sportlichste aus der Situation machen!

Pandemie und Bewegung

NEAT steigern:

Ganz klar, die ersten Maßnahmen zielen darauf ab, die Alltagsbewegung zu steigern. Das sogenannte NEAT (non-exercise activity thermogenesis) ist häufig effektiver, da dieses einen deutlich größeren Umfang einnehmen kann. Mit NEAT sind alle körperlichen Aktivitäten gemeint, die nicht explizit als Sport zu verstehen sind. Wann immer es geht solltet ihr euch Bewegen. Mehrere kleinere Spaziergänge pro Tag steigern das Aktivitätsniveau effektiv, auch das Gehen in der Wohnung kann helfen.

Zur Erinnerung: 150 min. moderat intensive körperliche Aktivität werden pro Woche empfohlen [16].

Das bedeutet mindestens 20 min. Spazierengehen pro Tag. Diese 20 min. könnt ihr euch so aufteilen wie ihr das wollt.

Krafttraining:

Regelmäßiges Krafttraining ist eine der wichtigsten Maßnahmen, um unsere Muskulatur zu erhalten und aufzubauen sowie die Körperkraft zu steigern [5], das Immunsystem zu verbessern [17], die Knochenstabilität zu erhöhen [14] und die Stoffwechselaktivität zu steigern [6].

Empfohlen werden 2-3 Krafttrainingseinheiten pro Woche mit einer Intensität von 50-70% der Maximalkraft. Wird ein Krafttraining mit niedrigeren Intensitäten durchgeführt, sollte auf die Muskelerschöpfung während des Trainings geachtet werden [15].

Alternativen zum Fitnessstudio:

Alternativ zum Training in Fitnessstudios können Home-Workouts und Outdoortrainings durchgeführt werden.

Da nicht für jeden das Körpergewichtstraining die optimale Lösung ist und nicht jeder extra Gewichte anschaffen will, können besonders Widerstandsbänder helfen, das Training intensiv und spaßig zu gestallten.

Wer allein Motivationsschwierigkeiten hat oder lieber mit Anderen trainiert kann Online-Kursangebote wahrnehmen.

Zu guter Letzt kann nur empfohlen werden, den gewohnten Sport sobald wie möglich wieder aufzunehmen.

Pandemie und Ernährung

Auf Kalorienzufuhr und Mahlzeithäufigkeit achten:

Ungewollte Körperfettzunahmen können nur durch die Kontrolle der Energiezufuhr vermieden werden. Gemeint ist nicht, dass zwangsläufig Kalorien gezählt werden müssen. Jedoch darf die Energiebilanz nicht positiv ausfallen und wer etwas abnehmen möchte, muss weniger Kalorien zu sich führen, als verbraucht werden. Pauschale Aussagen über individuelle tägliche Energiebilanzen sind dabei nicht möglich, da verschiedenste Faktoren eine Rolle spielen. Die Balance zwischen ausgewogener Ernährung und ausreichend Bewegung unterstützt die Gewichtskontrolle.

Weiterhin sind Lebensmittel, die wir besonders mögen oder zu einem Zeitpunkt wollen, ausschlaggebend für die zugeführte Energie. Haben wir Heißhunger auf bestimmte Lebensmittel, weil wir diese länger nicht gegessen haben, wird häufig weiter gegessen, obwohl wir eigentlich satt sind [7].

Dies bedeutet nicht, dass wir uns dauerhaft von Schokolade, Chips und Co. fernhalten sollen, sondern diese bewusst konsumieren sollten.

Ausreichende Proteinzufuhr:

Führen wir unsrem Körper eine ausreichende Menge von Proteinen zu, kann dies den Muskelabbau reduzieren oder sogar unsere Muskelproteinsynthese anregen. Zusätzlich kann ein erhöhter Proteinkonsum, trotz moderatem Kalorienüberschuss, dabei helfen weniger Körperfett einzulagern.

Täglich wird zu einer Eiweißzufuhr von 1,4–2 g Eiweiß pro kg Körpergewicht geraten [4].

Supplementation von Vitamin-D:

Vitamin-D nimmt eine Schlüsselrolle bei der Muskelkontraktion ein, indem es zur Aufnahme von Kalzium (in diesem Fall intrazellulärem Kalzium) beiträgt [10].

Zusätzlich scheint sich eine Supplementation von Vitamin-D positiv auf unsere Körperkraft auszuwirken [1].

Aufgrund der derzeitigen Datenlage ist eine tägliche Zuvor von 1000-4000 IE Vitamin-D3 zu empfehlen [8].

Omega-3 Fette supplementieren:

Die mehrfach ungesättigten Omega-3 Fette sind essenzielle Nährstoffe, können also vom Körper nicht selbst hergestellt werden und nehmen wichtige Aufgaben im menschlichen Körper wahr. Besonders die Omega-3 Fette EPA (Eicosapentaensäure) und DHA (Docosahexaensäure), welche überwiegend in fettem Meeresfisch vorkommen, wirken sich antientzündlich und antidepressiv aus [3].

Zusätzlich deutet die Studienlage darauf hin, dass eine zusätzliche Supplementation von EPA und DHA die Muskelproteinsynthese über den Signalweg mTOR anregt [13].

Um positive Effekte zu erhalten wird zu einer täglichen Supplementation von 4 g Omega-3 geraten.

Fazit:

Die aufgezählten Maßnahmen können euch dabei helfen, eure körperliche Fitness während der Corona-Zeit, aber auch danach aufrecht zu erhalten und zu fördern.

Damit Bewegungsmangelerkrankungen vorgebeugt werden ist eine ausreichende Alltagsbewegung von mindestens 20 min. täglich, bzw. 150 min. pro Woche, moderat intensiver körperlicher Aktivität, wie Spazieren gehen, wichtig.

Zusätzlich sind zwei bis drei Krafttrainingseinheiten pro Woche ratsam. Online-Kursangebote oder Home-Workouts mit Widerstandsbändern können hilfreich sein, um die Zeit bis zu den Öffnungen der Fitnessstudios und anderen Sporteinrichtungen zu überbrücken.

Der bewusste Verzehr, besonders von Süßigkeiten und Co., unterstützt eine gesunde Ernährung und hilf dabei nicht übermäßig viel Energie zu uns zu nehmen. Ergänzend sollte auf einen ausreichenden täglichen Proteinkonsum von 1,4–2 g Eiweiß pro kg Körpergewicht geachtet werden.

Unterstützend kann Vitamin-D (1000-4000 IE pro Tag) und Omega-3 (4 g pro Tag) supplementiert werden.

Zu guter Letzt möchte ich euch ermutigen, bei Trainings- oder Ernährungsfragen professionelle Trainer, Physiotherapeuten oder Ernährungsberater aufzusuchen.

Quellen:

  1. Abshirini, M., Mozaffari, H., Kord‐Varkaneh, H., Omidian, M. & Kruger, M. C. (2020). The effects of vitamin D supplementation on muscle strength and mobility in postmenopausal women: a systematic review and meta‐analysis of randomised controlled trials. Journal of Human Nutrition and Dietetics, 33(2), 207-221.
  2. Ammar, A, et al. „Effects of COVID-19 home confinement on eating behaviour and physical activity: results of the ECLB-COVID19 international online survey.“ Nutrients 12.6 (2020): 1583.
  3. Bäck, M. & Göran K. H. „Omega‐3 fatty acids, cardiovascular risk, and the resolution of inflammation.“ The FASEB journal 33.2 (2019): 1536-1539.
  4. Campbell, B., Kreider, R. B., Ziegenfuss, T., La Bounty, P., Roberts, M., Burke, D., Landis, J., Lopez, H. & Antonio, J. (2007). Journal of the International Society of Sports Nutrition. Journal of the International Society of Sports Nutrition, 4(8), 8.
  5. del Campo Cervantes, J. M., Cervantes, M. H. M. & Torres, R. M. (2019). Effect of a resistance training program on sarcopenia and functionality of the older adults living in a nursing home. The journal of nutrition, health & aging, 23(9), 829-836.
  6. Egger, A., Niederseer, D., Diem, G., Finkenzeller, T., Ledl-Kurkowski, E., Forstner, R. & Niebauer, J. (2013). Different types of resistance training in type 2 diabetes mellitus: effects on glycaemic control, muscle mass and strength. European journal of preventive cardiology, 20(6), 1051-1060.
  7. Hall, K. D. et al. „Energy balance and its components: implications for body weight regulation.“ The American journal of clinical nutrition 95.4 (2012): 989-994.
  8. Meltzer, D. O., Best, T. J., Zhang, H., Vokes, T., Arora, V. & Solway, J. (2020). Association of vitamin D deficiency and treatment with COVID-19 incidence. medRxiv.
  9. Rauber, F., da Costa Louzada, M. L., Steele, E. M., Millett, C., Monteiro, C. A. & Levy, R. B. (2018). Ultra-processed food consumption and chronic non-communicable diseases-related dietary nutrient profile in the UK (2008–2014). Nutrients, 10(5), 587.
  10. Rodman, J. S. & Baker, T. (1978). Changes in the kinetics of muscle contraction in vitamin D-depleted rats. Kidney international, 13(3), 189-193.
  11. Scarmozzino, F. & Visioli, F. (2020). Covid-19 and the subsequent lockdown modified dietary habits of almost half the population in an Italian sample. Foods, 9(5), 675.
  12. Sidor, A. & Rzymski, P. (2020). Dietary choices and habits during COVID-19 lockdown: experience from Poland. Nutrients, 12(6), 1657.
  13. Smith, G. I. et al. „Dietary omega-3 fatty acid supplementation increases the rate of muscle protein synthesis in older adults: a randomized controlled trial.“ The American journal of clinical nutrition 93.2 (2011): 402-412.
  14. Souza, D., Barbalho, M., Ramirez-Campillo, R., Martins, W. & Gentil, P. (2020). High and low-load resistance training produce similar effects on bone mineral density of middle-aged and older people: A systematic review with meta-analysis of randomized clinical trials. Experimental gerontology, 110973.
  15. Van Roie, E., Delecluse, C., Coudyzer, W., Boonen, S. & Bautmans, I. (2013). Strength training at high versus low external resistance in older adults: effects on muscle volume, muscle strength, and force–velocity characteristics. Experimental gerontology, 48(11), 1351-1361.
  16. World Health Organization. Physical inactivity: a Global Public Health Problem 2020 [Available from: https://www.who.int/dietphysicalactivity/factsheet_inactivity/en/. Accessed 10.03.2021.
  17. Zheng, Q., Cui, G., Chen, J., Gao, H., Wei, Y., Uede, T. & Diao, H. (2015). Regular exercise enhances the immune response against microbial antigens through up-regulation of toll-like receptor signaling pathways. Cellular Physiology and Biochemistry, 37(2), 735-746.

Autor:

Vinzent Kuhlwilm


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In den letzten Jahren ist um das Thema Wasserkonsum ein wahrer Hype entstanden. Klar, Wasser ist für uns Menschen überlebenswichtig, aber wie viel Wasser ist gut für uns und kann uns zu viel Flüssigkeit sogar schaden?

Zu dieser Thematik kursieren verschiedenste Meinungen. Die Eine Seite empfiehlt nach dem Motto „stay hydrated!“, möglichst viel Wasser zu trinken. Denn, so die Annahme, je mehr Wasser wir trinken, desto gesünder werden wir. Die andere Seite warnt vor einem übermäßigen Konsum und dessen schweren gesundheitlichen Folgen. Aber was empfiehlt die Wissenschaft?

Wichtigste Informationen

Der menschliche Körper besteht zu ca. 50-60% aus Wasser. Da ist es logisch, dass wir regelmäßig Flüssigkeit zu uns nehmen müssen. Im Körper erfüllt Wasser wichtige Aufgaben. Unter anderem wird es beim Transport von Nährstoffen benötigt, aber auch zur Regulation der Körpertemperatur. Besondere Relevanz hat Flüssigkeit beim Ausscheiden von Stoffwechselabbauprodukten und Giftstoffen [1].

Unsere Körperflüssigkeit lässt sich in intra- (innerhalb der Körperzellen) und extrazelluläre (außerhalb der Körperzellen) Flüssigkeit aufteilen. Extrazelluläre Flüssigkeiten sind im Zwischenraum der Zellen zu finden, zu ihnen zählt beispielsweise das Blutplasma (Flüssige Anteile des Blutes).

Ausgeschieden wird ein Großteil unseres Körperwassers über die Atmung, während wir Schwitzen sowie beim Abtransport von Schadstoffen und Abbauprodukten der Nahrung über die Nieren.

Flüssigkeitsaufnahme über Getränke und Nahrungsmittel

Grundsätzlich können wir über fast alle Getränke und viele Nahrungsmittel zu unserem Flüssigkeitshaushalt beitragen. Etwa 20-30% der täglichen Flüssigkeitsmenge nehmen wir über die Nahrung auf.

Der genaue Anteil hängt jedoch stark von der Ernährungsweise ab. Obst und Gemüse haben in der Regel einen höheren Wasseranteil als Getreideprodukte und erhöhen die tägliche Wasserzufuhr.

In asiatischen Ländern werden sogar bis zu 40% der täglichen Flüssigkeitsmenge über die Nahrung aufgenommen. Dies könnte auf den höheren Konsum von Suppen zurück geführt werden [4].

Welche Getränke sollten wir vermeiden?

Bei der Wahl von Getränken sollte auf die Energiebilanz geachtet werden. Übergewicht und Bewegungsmangel stellen große gesellschaftliche Probleme dar, weshalb ein eingeschränkter Konsum von kalorienreichen Getränken, wie z.B. Limonaden oder Säften, ratsam ist.

Auch alkoholische Getränke sollten nicht im Übermaß konsumiert werden. Durch hochprozentige Getränke kommt es zu vermehrter Flüssigkeitsausscheidung durch die Hemmung von Vasopressin (ein Hormon, welches die Ausscheidung von Körperflüssigkeiten verhindert/verlangsamt) [8].

Wie viel Wasser sollten wir pro Tag trinken?

Wie viel wir täglich trinken sollten hängt von mehreren Faktoren ab, darunter die Körperkompositionen, wie z.B. Gewicht, Größe oder Masse, aber auch unser Aktivitätslevel.

In Ruhe verbraucht der menschliche Körper in etwa 1% seiner Körpermasse an Wasser pro Tag. Bei einem 70kg schweren Mann wären das 0,7l und bei einer 60kg schweren Frau 0,6l. Für den täglichen Bedarf erhöht sich der Flüssigkeitsbedarf zusätzlich mit körperlicher Aktivität.

Der Wasseranteil in der Muskulatur ist höher als in fetthaltiger Körpermasse, weshalb schlanke Menschen oder Personen mit hohem Muskelanteil einen vergleichsweise höheren Flüssigkeitsbedarf aufweisen.

Empfehlungen von Ernährungsgesellschaften

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt etwa 1,5 Liter Wasser pro Tag zu trinken. Andere Ernährungsgesellschaften wie die FSA aus Großbritannien empfehlen mindestens 1,2 Liter Wasser pro Tag. Diese Angaben beziehen sich auf die reine Trinkmenge. Flüssigkeiten, die in der Nahrung enthalten sind, sind hier nicht mit einbezogen.

Ein akuter Mangel entsteht, wenn wir weniger als 1 Liter am Tag trinken, denn dann kann der Körper nicht ausreichend versorgt werden.

Je mehr Flüssigkeit wir ausscheiden, desto höher ist der Bedarf an Wasser. Akute Erkrankung insbesondere mit Fieber, hohe Außentemperaturen und Sport erhöhen unseren Flüssigkeitsbedarf.

Gerade der Aspekt Sport ist für uns in diesem Kontext relevant. Bei anstrengendem Training kann ein Mehrbedarf von 0,5 bis 1 Liter Wasser pro Stunde entstehen. Dieser Mehrbedarf sollte während, aber auch nach einer Trainingseinheit ausgeglichen werden.

Wasser-Mangelversorgung (Hypohydration)

Wie gesagt verbraucht der Körper in Ruhe etwa 1% seines Körpergewichts an Flüssigkeiten pro Tag. Ab einem Verlust von 1-2% des Körpergewichts spricht von man einer milden Dehydrierung.

Hierbei nehmen vor allem die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit ab und es kommt zu Symptomen wie Erschöpfung und Kopfschmerzen.

In Deutschland ist die Wasserversorgung grundsätzlich sehr gut gewährleistet, weshalb schwerere Dehydrierungen eher ungewöhnlich sind. Mildere Formen treten vor allem bei älteren Personen, durch Erkrankungen oder intensive körperliche Belastungen auf.

Folgen langfristiger Unterversorgung

Eine langfristige, milde Mangelversorgung von Wasser, wird in der Studienlage mit verschiedensten Erkrankungen, wie z.B. Bluthochdruck, Koronare-Herz-Krankheiten oder Harnwegsinfektionen und Infektionen des renalen Systems (v. a. Nieren) in Verbindung gebracht. Allerdings sind dies in der Regel mehr faktorielle Erkrankungen, andere Risikofaktoren sind ebenso zu berücksichtigen [5].

Mineralstoffkonzentration im Körper

In unserem Körper ist nicht mehr die reine Menge Wasser ausschlaggebend, sondern vielmehr die Konzentration an gelösten Mineralstoffen (osmotische Konzentration) in der Körperflüssigkeit.

Wie zuvor erwähnt ist Wasser der Hauptbestandteil verschiedenster Körperzellen und Körperflüssigkeiten. Im Körper selbst kommt Wasser jedoch nicht mehr in reiner Form vor, sondern immer als Lösung.

Entscheidend ist also die Konzentration an gelösten Stoffen in unseren Körperflüssigkeiten. Die Konzentrationen in den Zellen und im extrazellulärem Raum sind dabei jedoch unterschiedlich. In beiden Fällen wird allerdings eine konstante Konzentration benötigt, denn nur so kann der optimale Ablauf unserer Körperfunktionen gewährleistet werden.

Ausgleichsmechanismen des Körpers auf Über- oder Unterkonsum von Wasser

Durch diverse Prozesse, darunter auch Training, kann es zu Störungen der Mineralstoffkonzentration in der Blutbahn kommen. Störungen entstehen einerseits durch vermehrtes Ausscheiden von Wasser, andererseits durch Verluste von Mineralstoffen, wie z.B. Natrium.

In der Blutbahn weist Natrium die höchste Konzentration der gelösten Stoffe auf, in den Zellen ist dies Kalium. Beide Stoffe können die Zellmembran, welche die Zellen umgibt, durchqueren und so zu der Verteilung der Stoffe beitragen. Ebenso kann Wasser die Zellmembran durchqueren, um eine gestörte Konzentration auszugleichen [3].

Jedes Molekül bindet eine bestimmte Menge Wasser. Sind in der Zelle mehr Moleküle als in der Blutbahn, so gleicht dies der Körper durch Verschiebung von Flüssigkeit aus, um eine gleiche Konzentration der Moleküle zu schaffen.

Unter normalen Bedingungen sind die Nieren in der Lage, das überschüssiges Wasser über vermehrte Urinproduktion auszuscheiden.

Überkonsum von Flüssigkeiten (Hyperhydration)

Auf zellularer Ebene haben kleinste Veränderungen des gewohnten Wasseranteils Einfluss auf (die Funktionalität und) den Stoffwechsel. Verändert sich das Zellvolumen durch Über- oder Unterhydration, werden Signalwege für kompensatorische Stoffwechselprozesse aktiviert [3].

Kommt es innerhalb eines kurzen Zeitraums zu einem Überkonsum an Flüssigkeit (>3l), kann dies zu einer Verdünnungshyponatriämie führen. Hierbei können die normalen Mechanismen zur Regulation des Flüssigkeitshaushaltes nicht schnell genug greifen.

Infolge dessen entsteht ein osmotisches Ungleichgewicht. Um dies auszugleichen, wandert Flüssigkeit aus dem Blut in die Zellinnenräume.

Folgen von Hyperhydration

In einigen Fällen kann so eine Flüssigkeitsverschiebung zu Ödemen (Schwellungen) führen, welche Kopfschmerzen, Müdigkeit, Verwirrtheit, Erbrechen und in extremen Fällen sogar Gehirnschwellungen mit Koma zur Folge haben [1].

Eine Hyperhydration mit daraus resultierender Hyponatriämie kann vor allem dann auftreten, wenn nach intensivster sportlicher Belastung und damit verbundenem starkem Schwitzen viel mineralstoffarmes Wasser getrunken wird [7].

Aber auch der langfristige Überkonsum von Wasser wird mit einer chronischen Hyponatriämie assoziiert, was ebenso wie die dauerhafte Mangelversorgung von Wasser als Risikofaktor für einige Erkrankungen angesehen wird. Darunter ist z.B. ein erhöhte Risiko für Osteoporose, durch eine verschlechterte Knochendichte [9].

Gleichgewicht zwischen Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt

Untersuchungen legen nahe, dass das Gleichgewicht zwischen Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt bzw. Ein- und Ausfuhr eine zentrale Rolle spielt. Sowohl die Unterversorgung mit Flüssigkeit als auch übermäßiger Konsum an mineralarmen Wasser kann negative gesundheitliche Konsequenzen mit sich bringen [2].

Da zuvor vor allem auf Natrium und Kalium als relevante Mineralstoffe eingegangen wurde, bedeutet dies im Umkehrschluss nicht, dass wir nun anfangen sollten, unsere Getränke oder Nahrung übermäßig zu salzen!

Von Natur aus sind fast alle Getränke elektrolythaltig.

Mineralwasser oder Leitungswasser?

Einige Leser fragen sich an dieser Stelle bestimmt, ob es nicht sinnvoller wäre, Mineralwasser anstelle von Leitungswasser zu trinken, um eine bessere Versorgung mit Mineralstoffen zu gewährleisten.

Ausschlaggebend für die Menge der beinhalteten Mineralstoffe ist die Quelle, aus der ein Wasser stammt. Je nach Region kann es zu starken Abweichungen der Mineralstoffkonzentration kommen.

Vergleicht man Leitungs- und Mineralwasser, so unterscheiden sich beide Formen nicht signifikant, bezogen auf die Gesamtmenge an enthaltenen Elektrolyten. Getränke sind grundsätzlich nicht die Hauptquelle für Mineralstoffe [1].

Allgemein gilt: Wenn einem Leitungswasser ebenso gut schmeckt, wie Mineralwasser, und die Wasserqualität den Normwerten entspricht, ist es egal, auf welches man zurückgreift.

Auch der Konsum von isotonischen Sportgetränken ist nur bei intensiven Trainingseinheiten von mindesten 40 Minuten empfehlenswert. Andernfalls überwiegen auch hier die negativen Aspekte des höheren Energiegehaltes gegenüber den Vorteilen solcher Getränke [6].

Fazit

Auch beim Thema Trinken gilt, dass wir mit Vernunft konsumieren sollten, denn weder Übermaß noch Mangel ist für unsere Gesundheit gut.

Als Referenzwert gilt, dass wir täglich mindestens 1,2-1,5 Liter Flüssigkeit zusätzlich zu unserem Essen zu uns nehmen sollten.

Am besten geeignet sind Mineralwasser sowie ungesüßter Tee, aber auch Kaffee. Eingeschränkter Konsum ist vor allem bei Limonaden und Fruchtsäften aufgrund des hohen Energiegehaltes ratsam.

In unserem Körper ist Wasser nicht mehr in Reinform zu finden, sondern immer in Verbindung mit gelösten Stoffen. Die Zusammensetzung von Flüssigkeit und Mineralien spielt eine wichtige Rolle für die Aufrechterhaltung unserer Körperfunktionen.

Gesundheitlich ist regelmäßiges Trinken in moderaten Mengen am empfehlenswertesten. Wer viel Sport treibt, hohen Temperaturen ausgesetzt ist oder krankheitsbedingten Flüssigkeitsverlust erleidet, sollte entsprechend mehr Wasser trinken, aber auch Mineralstoffe aufnehmen.

In dem Zusammenhang, bleibt gesund und aktiv!

Einen weiteren Artikel zu Sport und Gesundheit findet ihr hier.

Literatur

  1. Benelam, B. & Wyness, L. (2010). Hydration and health: a review. Nutrition Bulletin, 35(1), 3-25.
  2. El-Sharkawy, A. M., Sahota, O. & Lobo, D. N. (2015). Acute and chronic effects of hydration status on health. Nutrition reviews, 73(suppl_2), 97-109.
  3. Lang, F. (2007). Mechanisms and significance of cell volume regulation. Journal of the American college of nutrition, 26(sup5), 613S-623S.
  4. Ma, G. S., Zuo, J. L., Zhang, Q., Chen, Z. W. & Hu, X. (2011). Water intake and its influencing factors of adults in one district of Shenzhen. Acta Nutr Sin, 33, 253-257.
  5. Manz, F. & Wentz, A. (2005). The importance of good hydration for the prevention of chronic diseases. Nutrition reviews, 63(suppl_1), S2-S5.
  6. Shirreffs, S. M. (2009). Hydration in sport and exercise: water, sports drinks and other drinks. Nutrition bulletin, 34(4), 374-379.
  7. Siegel, A. J. (2006). Exercise-associated hyponatremia: role of cytokines. The American journal of medicine, 119(7), S74-S78.
  8. Taivainen, H., Laitinen, K., Tähtelä, R., Kiianmaa, K. & Välimäki, M. J. (1995). Role of plasma vasopressin in changes of water balance accompanying acute alcohol intoxication. Alcoholism: Clinical and Experimental Research, 19(3), 759-762.
  9. Verbalis, J. G., Barsony, J., Sugimura, Y., Tian, Y., Adams, D. J., Carter, E. A. & Resnick, H. E. (2010). Hyponatremia‐induced osteoporosis. Journal of Bone and Mineral Research, 25(3), 554-563.

Autor

Vinzent Kuhlwilm


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